Sperren im Vergleich
Nicht jede Methode gegen Mauerwerksfeuchte hält, was sie verspricht. Hier finden Sie alle gängigen Sperr-Verfahren im direkten Vergleich — verständlich erklärt.
Die hydrophobierende organische Sperre (Isofin)
Die wasserfreie, wasserabstoßende (in der Fachsprache hydrophobierende) Sperre wie Isofin, beruht auf dem oben gezeigten Effekt in Kapillaren. Die Poren in Baustoffen kann man sich vereinfacht als ein Gewirr von feinsten Röhren vorstellen.
Isofin erzeugt auf der Innenwand dieser Kapillaren, eine Innen-Lackierung, die gegenüber Wasser einen Randwinkel von ca. 135° erzeugt. Der hierdurch erzeugte Effekt ist nach den obigen Berechnungen klar: „Das Wasser kann die Porenwandung nicht mehr benetzen und wird zurückgedrängt." Man nennt diesen Effekt Kapillar-Depression.
Bevor dieser Effekt eintreten kann, muss das Isofin erst einmal in die Poren. Wie kommt es da hinein wenn die Poren mit Wasser gefüllt sind? Auch hier hilft die Kapillarphysik. Isofin ist eine rein organische und wasserfreie Hydrophobier-Flüssigkeit. Es hat auch im flüssigen Zustand eine erheblich niedrigere Oberflächenspannung als Wasser und ist nicht mit Wasser mischbar. Aus dem oben genannten Beispiel mit Seifenwasser und dem Fettfilm wissen wir, dass Flüssigkeiten mit niedriger Oberflächenspannung in Flüssigkeiten mit hoher Oberflächenspannung eindringen und diese unterwandern. Das passiert somit auch, wenn Isofin auf Wasser trifft. Isofin besteht aus einem reaktiven Kunstharz, das in hochreinem dünnflüssigen Paraffinöl gelöst wurde. In echten Lösungen schwimmen die Wirkstoffmoleküle völlig frei im Lösemittel. Das garantiert, dass sie auch in kleinste Poren hineinpassen und diese hydrophobieren können. Wie im Bild 6 gezeigt, steigt Isofin in die mit Wasser gefüllte Kapillare und unterwandert das Wasser an der Porenwandung.
Sobald Isofin mit mineralischen Baustoffen in Kontakt kommt, reagiert der Isofin-Wirkstoff chemisch mit der Porenwandung und erzeugt auf ihr einen hauchdünnen (ca. 1 Molekül dicken) wasserabweisenden Kunststoff-Film (die Poren-Innenlackierung), die nach unseren über 50-jährigen Erfahrungen länger als 50 Jahre funktioniert.
Der Transportmechanismus der aufsteigenden Feuchtigkeit ist somit unterbrochen.
Selbstverständlich kann man die nasse Wand nicht — wie im Bild 6 — in ein Becken mit Isofin stellen. Daher benutzen wir die erheblich grobporigeren Mörtelfugen und — sofern vorhanden — die Hohlräume im Mauerwerk als Depot, aus dem Isofin langsam (2–3 Wochen) in den feinporigen Baustoff eindringt. Bild 7 zeigt den Wandquerschnitt mit der Injektionsbohrung, die durch mehrere Mörtelfugen führt. Die Kriechwirkung von Isofin ist selbst in nassem Mauerwerk so gut, dass sich eine Ausbreitung von 40–50 cm ergibt. Gebohrt wird deshalb eine einlagige Lochkette aus Bohrungen mit 12–14 mm Durchmesser und einem seitlichen Lochabstand von 25 cm. Bild 8 zeigt die allmähliche Isofin-Verteilung und die sich bildende hydrophobe Wandzone.
Das nach oben und in die Porenmitte verdrängte Wasser verdunstet mit dem Isofin-Lösemittel — wie gesagt, hochreinem dünnflüssigem Paraffinöl — und die Wand trocknet aus. Die Baustoffporen in dem mit Isofin behandelten Wandbereich enthalten nach der Austrocknung wieder Luft. Der Baustoff erhält also durch Isofin seine natürliche Wärmedämmung zurück.
Ein weiterer großer Vorteil von Isofin ist die hervorragende Verteilung im Mauerwerk. Hierdurch ist ein weiter Bohrlochabstand von 25 cm möglich, der die Arbeit wesentlich vereinfacht und erleichtert. In Wandecken und anderen komplizierten Bereichen sowie bei Lochsteinen (Hohlblock-, Gitterziegel usw.) bringt die gute Verteilung von Isofin Sicherheit vor Fehlstellen.
Wichtig: Für die Isofin-Horizontalsperre ist ein horizontaler Bohrlochabstand von 25 cm ausreichend. Die „Baustelle" in der Wohnung hält sich also in Grenzen.
Die hydrophobierende Mikroemulsions-Sperre
Hydrophobieren kann man grundsätzlich mit allen Stoffen, die auf Feststoffen einen Film mit niedriger Oberflächenspannung hinterlassen. Das beginnt bei Ölen, Fetten, Wachsen und endet bei entsprechenden Kunststoffen. Silikonharze haben z. B. eine niedrige Oberflächenspannung. Die niedrige Oberflächenspannung eines Wirkstoffes ist aber nicht allein für die Funktion einer hydrophobierenden Sperre maßgeblich.
Vier Voraussetzungen müssen von einem guten Hydrophobiermittel erfüllt werden:
Niedrige Oberflächenspannung des Wirkstoffes, Beständigkeit gegen das alkalische Mauerwerk, feinste Wirkstoffverteilung im Lösemittel, problemlose Verdrängung des Wassers im Mauerwerk.
Seit einigen Jahren werden hydrophobierende Sperren auch mit wässrigen Silikonharz-Emulsionen erstellt. Auch einige Baufachleute favorisieren diese Systeme — vermutlich ohne genaue Kenntnisse der kapillarphysikalischen Wirkmechanismen — weil sie als Lösemittel Wasser enthalten.
Auf den ersten Blick sieht das auch nach einem Vorteil aus, denn man muss sich über die Harmlosigkeit des Lösemittels Wasser keine Gedanken machen. Auf den zweiten Blick sollten nach Kenntnis der oben beschriebenen kapillarphysikalischen Vorgänge bereits Bedenken aufkommen. Silikon-Mikroemulsionen bestehen aus relativ dickflüssigen Silikonharzen bzw. deren Lösung in einem organischen Lösemittel, die mittels eines Emulgators in Form von kleinen Tropfen in Wasser verteilt (emulgiert) sind. Die dickflüssige Stammemulsion lässt sich mit Leitungswasser auf die Gebrauchskonzentration verdünnen und in das Mauerwerk injizieren. Die Emulsions-Tropfen sind so groß, dass sie durch sogenannte Mikrofilter (Membranfilter), deren Porengröße im Bereich von Ziegel-, Kalksandstein und ähnlichen Baustoffen liegen, aus der Gebrauchsverdünnung herausfiltern lassen. Die Emulsionströpfchen dringen also nicht in die (zu) feinen Poren des Mikrofilters ein, sondern lagern sich auf seiner Oberfläche ab. Wie sollen dann diese Tropfen in gleich große Baustoffporen passen?
Wie soll die wässrige Verdünnung das in den Poren stehende Wasser verdrängen? Die Emulsionströpfchen sind einige hundertmal größer als einzelne Moleküle und können daher in Feinstporen nicht eindringen. Außerdem wird die wässrige Mikroemulsion durch das Porenwasser weiter verdünnt und zeigt praktisch das gleiche kapillare Transportverhalten wie das Porenwasser, wird also mit dem Strom des aufsteigenden Wassers aus der geplanten Sperrzone transportiert, auf andere Wandbereiche verteilt und damit weitgehend verdünnt. Dass derartige wässrige Systeme Verteilungsprobleme in der Wand haben, können Sie bereits an der Gebrauchsanweisung erkennen, die einen seitlichen Bohrlochabstand von nur 10–15 cm vorschreibt.
Sollte man also den einfachen Weg mit Wasser als Lösemittel gehen und technische Probleme in Kauf nehmen, oder ist unsere Mühe jahrelanger Entwicklungsarbeit richtig gewesen einen langlebigen Wirkstoff zu suchen, der sich in harmlosem Paraffinöl lösen lässt und damit ein perfektes Produkt ermöglicht?
Verkieselungs-Sperren
Verkieselungs-Sperren werden durch stark verdünnte wässrige Wasserglaslösungen (ca. 5% Wasserglas + 95% Wasser) erzeugt. Wasserglas ist chemisch instabil. Die Lösung erstarrt durch geringen Säureeinfluss (in der Wand durch die Luftkohlensäure) zu einem wässrigen Gel, welches die Poren verstopfen soll. Diese Art der Sperren wurde zum Stoppen von Wassereinbrüchen aus dem Berg im Tunnel- und Bergbau entwickelt und besitzen dort aufgrund ihrer niedrigen Kosten auch heute noch ihre Daseinsberechtigung. In Wohngebäuden oder überhaupt im Mauerwerk sollten sie nicht verwendet werden, da man mit der Verkieselungslösung bauschädliche Salze ins Mauerwerk einträgt bzw. dort erzeugt.
Bei der Wasserglasspaltung (Wasserglas-Gelbildung) wird nämlich das wasserlöslichmachende Natrium (Natronwasserglas) oder Kalium (Kaliwasserglas) abgespalten und bildet mit der Luftkohlensäure entweder Natriumcarbonat (Soda), das unter Wasseraufnahme große Kristalle (Kristallsoda) bildet und den Mörtel der Fugen durch Kristalldruck zerstört, oder Kaliumcarbonat, ein stark hygroskopisches Salz, das aus der Raumluft Wasser anzieht und somit die Wandfeuchte erhöht. Damit die Verkieselungs-Lösungen nicht schon beim Transport oder beim Händler gelieren, werden ihnen noch Ätznatron oder Ätzkali zugegeben, was die Schadsalzbildung weiter erhöht.
Die Wand wird also nicht trocken, sondern das Wasser der feuchten Wand wird lediglich durch eine wässrige Paste (sog. Kieselgel) ersetzt und wird durch das hygroskopische Kalisalz feuchter gehalten als notwendig. Bei verputzten Wänden ist außerdem Folgendes zu bedenken: „Das Porenwasser verdunstet nicht im Inneren der Wand, sondern an der Wandoberfläche oder einige Millimeter darunter. Das Wasser muss also in den Poren zunächst in den Putz wandern, wo es verdunstet. Es bringt dabei die gelösten Salze mit und lagert sie beim Verdunsten im Putz ab. Hierdurch wird der Putz entweder durch Kristalldruck zerstört und zerbröselt (Sodabildung) oder er wird durch Kaliumcarbonat so hygroskopisch (wasseransaugend), dass er allein durch die Luftfeuchte der Umgebung ständig nass ist. Derart belasteter und geschädigter Putz muss dann 2–3 Jahre nach der Abdichtung entfernt und erneuert werden."
Wie alle wässrigen Produkte haben auch Verkieselungen die natürlichen Verteilungsprobleme in der nassen Wand, da das als Lösemittel für Wasserglas benutzte Wasser natürlich die gleiche Oberflächenspannung hat wie das Porenwasser. Daher wird auch hier ein Bohrlochabstand von 10–15 cm gefordert. Außerdem sind Verkieselungs-Sperren nicht langlebig (nur 2–3 Jahre) und erzeugen in der Wand durch den Einschluss von Wasser (Gel mit 95% Wassergehalt) Wärmebrücken, welche die Raumwärme fast ungehindert nach außen abfließen lässt (im Volksmund Kältebrücken genannt). Diese im Tunnelbau bewährte Methode kritiklos auf Mauerwerk und Wohngebäude zu übertragen, setzt also ein erhebliches Nichtwissen über die kapillarphysikalischen und chemischen Vorgänge im Mauerwerk voraus.
Wichtig: Verkieselungsprodukte können Sie daran erkennen, dass sie das Gefahrenzeichen „Ätzend" tragen. Sie sind hoch alkalisch, daher ätzend — bitte nur mit entsprechender Schutzkleidung (Gummihandschuhe, Schutzbrille) umgehen!
Silikonat-Sperren
Niedrigmolekulare Silikone kann man verseifen und so wasserlöslich machen. Wässrige Lösungen von Natrium- oder Kalium-Silikonat (5–10%) können in Wände injiziert werden. Unter dem Einfluss der Luftkohlensäure bildet sich, zumindest aus einem Teil des Silikonats ein niedermolekulares Silikon zurück, welches hydrophobierend wirkt. Gleichzeitig wirkt jedoch auch die natürliche Alkalität des Mauerwerks gegen diese Kohlensäure-Reaktion so, dass der größte Teil des Silikonats durch das Porenwasser weiter verdünnt und mit dem Strom der aufsteigenden Feuchte auf große Wandbereiche verteilt wird. Das Silikonat befindet sich dann nicht mehr im geplanten Sperrenbereich und seine Konzentration ist bis zur Unwirksamkeit durch Porenwasser verdünnt. Außerdem wird bei der Silikonatspaltung (wie bei der Wasserglas-Gelbildung) das wasserlöslichmachende Natrium oder Kalium abgespalten und bildet mit der Luftkohlensäure entweder Natriumcarbonat (Soda), oder Kaliumcarbonat, mit den oben beschriebenen Nachteilen.
Man hat unter Umständen die aufsteigende Feuchtigkeit reduziert und nässt nun die Wand durch hygroskopisches Salz.
Durch die aufsteigende Feuchtigkeit sind meistens schon Salze ins Mauerwerk transportiert worden. Man sollte nicht noch weitere Salze eintragen. Selbstverständlich besitzen auch diese wässrigen Produkte die bereits beschriebenen grundsätzlichen Nachteile aller wässrigen Produkte. Daher wird auch hier ein Bohrlochabstand von 10–15 cm gefordert.
Wässrige Gel-Sperren
Auch diese Art der Sperren wurde zum Stoppen von Wassereinbrüchen im Tunnel- und Bergbau entwickelt. Sie basieren auf gelbildenden Kunststoffen — meist Acrylaten — und dichten aber auch nur durch den Einschluss von Wasser in den Poren. Auch hier wird die Dichtwirkung durch Verstopfung der Poren mit einem wässrigen Gel (ca. 90% Wasser im Gel) erzeugt. Bedenken Sie, auch mit diesen Gelen tauschen Sie nur das dünnflüssige gegen dickflüssiges Wasser. Sie haben nach wie vor Wasser in der Wand. Der Wärmedämmverlust der Wand im Sperrenbereich des Mauerwerks ist also vorprogrammiert. Wundern Sie sich nach der Verwendung solcher Mittel also nicht über nasse Flecken in der Wand durch Kondenswasser. Auch hier ist wegen der Verteilungsprobleme ein Bohrlochabstand von 10–15 cm gefordert.
Mechanische Sperren
Diese Art der Sperren basiert darauf, dass man z. B. mit einer speziellen Kettensäge das Mauerwerk in einer Lagerfuge durchsägt und in den etwa 10 Millimeter starken Sägeschnitt Bleche, Kunststoffbahnen oder Bitumenpappe legt. Der Rest des Sägeschnittes wird wieder mit Mörtel verfüllt.
Bei einem anderen Verfahren werden feinwellige Edelstahlbleche mittels eines Drucklufthammers in die Fuge geschlagen. Für den Laien mag die Vorstellung, eine Horizontalsperre aus Edelstahl in der Wand zu haben, auf den ersten Blick überzeugend wirken. Gerade Edelstahlblech ist aber als Horizontalsperre nicht geeignet, da der Edelstahl im Mauerwerk sogenannter Lochfraßkorrosion ausgesetzt ist und allmählich durchlöchert wird. Außerdem gleitet das Haus bei etwas seitlichem Erddruck auf dem glatten Blech und verschiebt sich auf dem unteren Mauerwerk.
Erschütterungen durch die Mauer-Säge oder das Blecheinschlagen sind gerade für altes Mauerwerk, mit bereits geschwächtem Mörtel, ebenfalls zu bedenken. Es entstehen nicht selten Risse und nachträgliche Setzungserscheinungen, deren Ursache kaum zu beweisen ist.
Beide Verfahren beschädigen eine bereits vorhandene vertikale Außenabdichtung und lassen sich nicht innerhalb des Fußbodenniveaus erstellen, sondern immer nur einige Zentimeter über dem Fußboden (in der nächst höheren Mauerwerkfuge). Der Bereich zwischen der Fußbodenoberkante und der Sperrbahn in der nächst höheren Fuge bleibt daher zwangsläufig nass und muss innen hinter einem Sperrputzsockel „versteckt" werden. Die an vielen Gebäuden benötigten schräg und senkrecht verlaufenden Sperren oder Flächensperren lassen sich mit diesen Verfahren gar nicht herstellen.
Heiß-Sperren
Einige Sperrmethoden benötigen die vorherige Trocknung des Mauerwerks, weil das benutzte flüssige Hydrophobiermittel nicht in der Lage ist, das Porenwasser zu verdrängen. Hier wird das Mauerwerk vorher durch Mikrowellenbestrahlung oder Heizstäbe in den Injektionsbohrungen auf über 100 °C — meistens 150–180 °C — aufgeheizt und das Wasser verdampft. Danach wird das Hydrophobiermittel injiziert.
Bei einem dieser Verfahren wird als Abdichtungsmittel geschmolzenes Hartparaffin (die meisten Kerzen bestehen aus Hartparaffin) in die Bohrlöcher gegossen, was sich im heißen Mauerwerk verteilt und nach der Abkühlung und Erstarrung die Poren verstopft.
Beide Verfahren funktionieren gut, wenn die Arbeiten sehr sorgfältig ausgeführt werden, sind aber durch den zusätzlichen Heizaufwand auch wesentlich teurer als Kaltsperren.
Ihre Begrenzung haben Heiß-Sperren durch die hohe Anwendungs-Temperatur, die bei bituminösen Außenabdichtungen (z. B. im Kellergeschoss) zu deren Beschädigung führen kann. Zudem lassen sich Baustoffe mit geringer Wärmeleitfähigkeit (z. B. Gasbeton) nicht aufheizen.
Auch Materialien, die den notwendigen guten Kontakt zu den Heizstäben verhindern (z. B. Gitterziegel) lassen sich nicht oder nur schlecht aufheizen. Man kann das Problem mit einem Satz beschreiben: Je besser die Wärmedämmung der Baustoffe, desto schlechter die Anwendung von Heißverfahren.
Generell kann man mit Methoden, welche die Wand aufheizen müssen, unterhalb des Erdreichs keine fehlerfreie Abdichtung erzeugen. Für eine fehlerfreie Abdichtung, beispielsweise Horizontalsperre, müsste der gesamte Wandquerschnitt auf über 100 °C erhitzt werden. Das ist allerdings unmöglich, da außen nasses, etwa 10 °C kaltes Erdreich anliegt. Um das Mauerwerk bis außen auf über 100 °C zu erhitzen müsste man das Wasser (Siedepunkt 100 °C) im Erdreich verdampfen.
Das ist einerseits mit den kleinen Heizstäben der Heiß-Abdichter nicht möglich und würde andererseits auch die, in Wohnhäusern zur Verfügung stehende, Menge an Elektroenergie, um das Vielfache überschreiten.
Von einer 36 cm dicken Wand werden daher nur etwa die inneren 25 cm ausreichend heiß, der Rest bleibt zu kalt so, dass nicht der gesamte Wandquerschnitt abgedichtet wird.
Der restliche, nicht abgedichtete Wandbereich transportiert weiterhin kapillar Wasser in die Wand.
Damit dieser Abdichtungsfehler nicht auffällt, verkaufen die Heiß-Abdichter zusätzlich einen „Spezialputz". Dieser sogenannte Sanierputz ist deutlich poröser als Normal-Putze so, dass die Verdunstung des Wandwassers tief im Putz stattfindet und an der Putzoberfläche keine feuchten Stellen auftreten. Der Restschaden wird also hinter der Sanierputzschicht versteckt.
Diese fehlerbehaftete Abdichtungsmethode ist nicht nur in der Anwendung teuer, sondern es entstehen auch nachträglich nicht zu unterschätzende Kosten. Das ständig, über die Restundichtigkeit, in die Wand eindringende Wasser verringert deren Wärmedämmung erheblich. Hinzu kommt der erhebliche Wärmeverlust durch die ständige Verdunstung des Wassers.
Die ohnehin teuere Abdichtung produziert daher im Laufe der Jahre Folgekosten, die sich zu einem kleinen Vermögen summieren.
Harz-Sperren
Einige Abdichter bieten gegen Kapillarfeuchte Mauerwerksverpressungen mit Epoxidharzen oder gar Polyurethanschäumen an. Diese Harze sind bereits für Poren mittleren Durchmessers zu dickflüssig. PU-Harze reagieren zudem an ihrer Oberfläche spontan mit Wasser unter Bildung einer lederartigen Haut und fließen nicht einmal in grobe Poren. Sie sind allenfalls als Wasserstopp bei Druckwasserschäden geeignet.
Wasserunempfindliche Spezial-Epoxidharzsysteme, die auch an nassen Baustoffen haften und unter Wasser störungsfrei aushärten, sind allerdings gute Hohlraumfüller bei Druckwasserproblemen.
Die Verwendung derartiger Harze zur Beseitigung von Kapillarwasser-Schäden beweist jedoch das fehlende Fachwissen des Anwenders.
Negativabdichtungen
Negativabdichtungen werden Abdichtungen genannt, die nicht den Wassereintritt in die Wand verhindern, sondern den Wasseraustritt abdichten (Bild 15).
Gemeint ist also das Aufbringen von dichtenden Sperrschichten auf den nassen Untergrund, wie Sperrschlämme, Sperrputz oder das Vorbetonieren einer Sperrbetonschale.
Der Untergrund bleibt hierbei nass. Derartige Abdichtungen sind z. B. im Tunnel- und Bergbau durchaus sinnvoll. In Wohn- und ähnlichen Nutzgebäuden sind Negativabdichtungen grobe bauphysikalische Fehler, da sie das in der Wand befindliche Wasser in der Wand belassen, sodass es sich dort auf andere Wandbereiche verteilen oder z. B. höher steigen kann (aufsteigende Feuchtigkeit).
Mit einer Negativabdichtung wird also die Gebäudewand nicht gegen den Wassereintritt abgedichtet, sondern das in der Wand befindliche Wasser lediglich versteckt. In den meisten Fällen auch nur für kurze Zeit. Die Negativabdichtung im Wohngebäude ist also eine sinnlose Sache.
Elektro-Osmose und Funk-Elektroosmose
Es ist seit langer Zeit bekannt, dass Wasser in Kapillaren oder im Erdreich durch ein elektrisches Feld bewegt werden kann. Das Bild 16 zeigt einen solchen Versuchsaufbau. Hier wird an die beiden in die Wand eingebauten Metallstäbe eine elektrische Gleichspannung angeschlossen. Das Wasser in der Wand wandert zum Minuspol der Kathode.
Die Methode hat mehrere, auf den ersten Blick nicht offensichtliche Fehler, wie die Korrosion der Elektroden, die Elektrolyse von Salzen im Mauerwerk und damit die Entstehung von unkontrollierbaren Reaktionsprodukten, die mauerwerkschädigend wirken können, ständigen Stromverbrauch und ständige Kontrolle und Wartung. Der wesentliche Fehler ist jedoch, dass die Wirkung von einem ausreichend hohen Stromfluss abhängig ist. Dieser Stromfluss zwischen Anode und Kathode verringert sich mit zunehmender Zurückdrängung des Wassers, da trockenes Mauerwerk für elektrischen Strom nicht oder kaum leitfähig ist.
Sobald die obere Elektrode (die Anode) trockengelegt ist, endet die Wirkung des Systems und das Wasser steigt wieder. Ist die Anode wieder nass, beginnt die Wirkung wieder. Der Feuchtezustand der Wand wechselt also ständig zwischen feucht und nass, ohne dauerhafte Trockenheit zu erreichen.
Noch fragwürdiger sind die kleinen Zauberkästchen (Bild 18). Bei dieser Methode wird zur Entfeuchtung des Mauerwerks ein kleines geheimnisvolles Kästchen angeboten, das im Kellergeschoss an eine Wand gehängt wird. Das Kästchen soll geheimnisvolle Strahlung aus dem All oder bisher unbekannte Erdstrahlen aufnehmen und durch Abstrahlung auf die Wände das Wasser der feuchten Wände nach unten (ins Erdreich) drücken. Nun ist bekannt, dass sich Strahlung kreisrund um die Antenne (im Kästchen) ausdehnt. Das bedeutet, dass diese Strahlung auch nicht an der Außenmauer des Hauses endet.
Würde das System funktionieren, müsste zwangsläufig auch das Wasser im anliegenden Erdreich (Bild 17) nach unten gedrückt werden. Die Blumen im Vorgarten ständen in der Trockenheit einer Lehmwüste, würden also nach kurzer Zeit vertrocknen. Zum Glück ist das noch nie passiert! Beurteilen Sie bitte selbst, was von dieser Methode zu halten ist.
Sie sollten auch bedenken, dass in nassem Mauerwerk erhebliche Wassermengen stecken. Ein Quadratmeter nasses Mauerwerk enthält bei einer Wandstärke von 50 cm — je nach Baustoff — zwischen 100 bis 150 Liter Wasser! Nur in den Außenwänden eines Einfamilienhauses können sich 5000–8000 Liter Wasser befinden, die gegen den enormen Kapillardruck von 1520 bar nach unten gedrückt werden müssen. Die notwendige Energie hierfür ist berechenbar. Die Berechnung soll Ihnen hier erspart werden. Deshalb ein Beispiel aus der Praxis: Eine Pumpe, benötigt hierfür eine elektrische Leistung von 4,5–6 Kilowatt! Die Strahlung in der Sie sich aufhalten würden, müsste also etwa 2000-fach stärker sein als die Ihres Handys.