Feuchteursache messen
Wer weiß, wo das Wasser in die Wand eindringt, kann gezielt sperren — statt zu viel zu bearbeiten. Dieses Kapitel zeigt, wie man mit einem einfachen Feuchtemessgerät die Ursache findet, wie Wände trocknen und warum trockenes Mauerwerk besser dämmt.
Messung der Feuchteursache
Wenn Sie nicht sicher sind, woher die Feuchtigkeit kommt, oder wie weit sich der Schaden erstreckt, dann können Sie sich mit einem einfachen und preiswerten Feuchtemessgerät darüber Klarheit verschaffen. Derartige Geräte gibt es im Internet schon für etwa 15–85 Euro.
Wichtig: Falls Sie derartige Messungen vornehmen wollen, lesen Sie dieses Kapitel sorgfältig. Sofern Ihr Wasserschaden optisch eindeutig ist, können Sie dieses Kapitel überschlagen.
In diesem Preisbereich gibt es Geräte mit zwei verschiedenen Mess-Systemen.
Die billigen Messgeräte messen den elektrischen Leitwert der Wand, nicht etwa den Wassergehalt. Diese Geräte sind daran zu erkennen, dass sie zwei eingebaute Nadeln besitzen, die man in die Wand stechen kann.
Der Grund dafür, dass man mit einem solchen Gerät Wasserverteilungen in Wänden messen kann ist, dass sich die elektrische Leitfähigkeit von Baustoffen durch Wasseraufnahme ändert.
Trockene Baustoffe sind schlechte elektrische Leiter, haben also einen geringen elektrischen Leitwert. Nimmt eine Wand Feuchtigkeit auf, dann erhöht sich der elektrische Leitwert mit zunehmender Wasser-Aufnahme. Eine nasse Wand hat also einen hohen elektrischen Leitwert.
Wenn das Alles wäre, dann wäre die Feuchtigkeitsermittlung sehr einfach. Leider ist die Natur komplizierter. Um das zu verstehen, muss man wissen, dass Wasser in sehr reiner Form ein schlechter elektrischer Leiter ist (destilliertes Wasser enthält keine gelösten Salze). Es hat also einen geringen Leitwert (0,9 im Bild 20). Hält man die Nadeln eines Leitwert-Feuchtemessgerätes in destilliertes Wasser, dann zeigt das Gerät an, dass das Wasser trocken ist! (Bild 20) Löst man ein wenig Salz in diesem reinen Wasser, dann steigt der Leitwert und das Wasser wird zu einem ganz guten elektrischen Leiter.
Da Wasser aus dem Erdreich stets einen geringen Salzgehalt hat und beim Eindringen in eine Wand auch aus dem Baustoff noch Salze auflöst, die hier natürlicherweise vorhanden sind, erhöht es den Leitwert der Wand. Je mehr Salz in diesem Wasser vorhanden ist, desto höher ist auch der gemessene Leitwert. Der elektrische Leitwert nimmt also nicht nur mit zunehmendem Wassergehalt zu, sondern auch zusätzlich mit zunehmendem Salzgehalt.
Wichtig: Hoher Salzgehalt = zu hohe Feuchte-Anzeige
Die etwas höherpreisigen Messgeräte arbeiten nach der kapazitiven Messmethode, mit einer geringeren Messwertverfälschung durch Salze. Man erkennt diese Geräte an dem sogenannten Kugelkopf, der für die Messung lediglich an die Wand angelegt wird.
Beide Gerätetypen können keine prozentualen Feuchtewerte anzeigen, sondern liefern dimensionslose Werte, sogenannte Digits.
Wichtig: Niedriger Wert = geringe Feuchtigkeit — Hoher Wert = hohe Feuchtigkeit
Die Anzeigewerte sind auch nicht linear. Das heißt: Eine Anzeige von 60 Digits bedeutet nicht die dreifache Feuchtigkeit von 20 Digits.
Trotzdem sind beide Gerätetypen sehr nützliche Werkzeuge, wenn man herausfinden will, woher die Kapillar-Feuchte kommt und wieweit sie sich bereits verteilt hat.
Diese Zusammenhänge haben, wie ich fast täglich feststellen muss, auch viele Bausachverständige immer noch nicht begriffen; sie machen daher auch in ihren Gutachten falsche Feuchteangaben und ziehen falsche Schlüsse. Für die Sanierung eines Kapillarwasser-Schadens ist es allerdings völlig unwichtig, den exakten Wassergehalt der Wand zu kennen. Wichtig ist, dass man weiß, wo das Wasser in die Wand eintritt, damit man diesen Wassereintrittsbereich gezielt sperren kann.
Diese Kenntnis kann sehr nützlich sein, denn sie kann verhindern, dass man „aus Sicherheitsgründen" zu viel bearbeitet. Das kann Kosten sparen! Nehmen wir als erstes Beispiel den Fall aufsteigender Feuchtigkeit, der im Bild 23 erläutert wird.
Um Messungen vorzunehmen sticht man, wie im Bild 22 dargestellt, entweder die Gerätenadeln etwa 1 cm tief in den Putz oder in die Mörtelfuge, oder legt den Kugelkopf an die Wand.
Das Gerätehandbuch enthält noch weitere nützliche Hinweise.
Diese Messungen nimmt man mehrfach übereinander in einem Abstand von ca. 50 cm vor. Wenn man diese Messungen noch nicht oft gemacht hat, ist es hilfreich, sich auf einem Blatt Papier eine Wandskizze, wie im Bild 23 gezeigt, anzufertigen, in die man die Messpunkte einzeichnet und die Messwerte einträgt.
Diese senkrechte Reihe von 3 oder 4 Mess-Stellen wiederholt man nebeneinander im Abstand von etwa 1 Meter — an schwierig zu beurteilenden Stellen auch enger — und trägt auch diese Messergebnisse in die Skizze ein.
Verbindet man nun die Mess-Stellen mit etwa gleichem Messwert miteinander durch eine Linie, so erhält man eine Linie, auf der die Feuchtigkeit der Wand etwa gleich ist.
Die Abdichtungs-Experten nennen diese Linie gleicher Feuchtigkeit Isohumiden.
Hat man alle Messpunkte gleicher Feuchtigkeit miteinander verbunden, dann erhält man, wie im Bild 23 dargestellt, eine Übersicht darüber, wo die Feuchtigkeit größer und in welchen Wandbereichen sie geringer ist.
Die hohe Feuchtigkeit in Bodennähe (Bild 23) und die nach oben ziemlich gleichmäßig abnehmenden Werte zeigen aufsteigende Feuchtigkeit aus dem Fundament-Bereich an. Das Wasser dringt unten in die Wand ein und zeigt somit dort einen hohen Wert, also viel Wasser an.
In der Wand steigt das Wasser wie in einem Docht nach oben. Ein Teil des Wassers verdunstet dabei an der Wandoberfläche.
Mit zunehmender Steighöhe nimmt also die Wandfeuchtigkeit durch Verdunstung ab, da die Verdunstungsfläche immer größer wird. Dementsprechend sinkt der elektrische Messwert mit zunehmender Wandhöhe.
Wenn Sie sich die dritte Messreihe von unten ansehen, dann ist dort die Linie nicht exakt durch die Messpunkte geführt, weil die Messergebnisse, die exakt in der gleichen Wandhöhe ermittelt wurden, ungleich sind. Sie dürfen in solchen Fällen, die völlig normal sind, die Linie nach unten oder oben verlagern, weil der gleiche Messwert, geschätzt, etwas unterhalb oder oberhalb Ihrer Messstelle liegen wird.
Die geringfügig unterschiedliche Porosität des Mauerwerks erzeugt diese Schwankungen im Feuchtegehalt und damit in den Messwerten. Trotzdem bleibt die Aussage eindeutig. Das Wasser kommt von unten. Es handelt sich eindeutig um aufsteigende Feuchtigkeit.
Die Mess-Skizze zeigt auch ein weiteres Ergebnis. Die linke Innenwand muss nicht gesperrt werden, da sie keine eigene aufsteigende Feuchtigkeit hat, sondern lediglich im Eckbereich Wasser aus der Außenwand übernimmt. Die Messwerte der Innenwand fallen, mit zunehmender Entfernung von der Außenwand, sehr stark ab.
Die auf Messwerten basierende Feuchte-Diagnose erspart hier einige Meter Horizontalsperre in der linken Innenwand.
Als zweites Beispiel soll Bild 24 dienen, in dem eine Querdurchfeuchtung dargestellt ist, die durch eine Verletzung der vertikalen Außenabdichtung hervorgerufen wird.
Hier liegt das Zentrum der höchsten Feuchtigkeit mitten in der Wand und die Messpunkte mit geringeren Messwerten, also geringerer Feuchtigkeit, etwa kreisförmig um dieses Zentrum. Dass die Messwertlinien nicht exakt kreisförmig verlaufen, sondern oval sind und „nach unten durchhängen", liegt daran, dass das Wasser, bedingt durch die Erdschwerkraft, etwas stärker nach unten „durchsackt" als nach oben aufsteigt. Im Grunde ändert das aber nichts an der eindeutigen Aussage der Messungen. Man erkennt sehr genau das Zentrum des Wassereintritts und kann die Wand dort gezielt mit Isofin sperren.
Im nächsten Kapitel „Feuchtigkeit im Keller" sind weitere Fälle von Feuchtigkeitsschäden, anhand von Wandskizzen mit Messwertlinien, dargestellt. Auf die Eintragung von angenommenen Messwerten wurde zur besseren Übersichtlichkeit verzichtet.
Diese Skizzen sollen Sie in die Lage versetzen, selbst weiterzudenken, woher das störende Wasser kommt.
Stellen Sie sich vor, Sie wären das Wasser und wollten in die Wand kriechen, um den Eigentümer zu ärgern. Stellen Sie sich weiter vor, dieser Eigentümer stellt Ihnen (dem Wasser) eine Sperre in den Weg. Denken Sie darüber nach, ob es eine Möglichkeit gibt, diese Sperre zu umwandern und bauen Sie dann die Isofinsperre so ein, dass diese Umwanderung nicht möglich ist!
Wie und wodurch trocknet die feuchte Wand
Grundsätzlich trocknen feuchte Wände ausschließlich durch die Verdunstung des in den Baustoffporen vorhandenen Wassers.
Das kann manchmal lange dauern.
Warum es manchmal schneller und auch mal langsamer geht, hängt von mehreren Gegebenheiten ab.
Wer verstehen will, was man machen muss, um Wände schneller zu trocknen oder die Trocknung nicht zu verzögern, der muss wissen, wie die Verdunstung von Kapillarwasser in Wänden abläuft.
Keine Angst, es wird nicht zu wissenschaftlich. Ich werde den Vorgang sehr einfach erklären.
Mauerwerk und Beton bestehen aus porösen Baustoffen. Poren (Kapillaren) können unterschiedliche Formen aufweisen. Der Vereinfachung wegen stellen wir uns das Porengewirr als Gewirr kleiner Rohre vor.
Diese Poren können vollständig oder teilweise mit Wasser gefüllt sein.
Die Teilfüllung einer Kapillare sieht allerdings anders aus als die Teilfüllung einer Tasse. Bei Kapillaren ist die Teilfüllung eine unterschiedlich dicke Wasserschicht auf der Kapillarenwand (Bild 26).
Diese Eigenschaft und die Länge der Kapillaren im Verhältnis zu ihrem Durchmesser bestimmen den Trocknungsablauf und die Trocknungszeit maßgeblich.
Luft kann Wasser aufnehmen — das heißt, sie enthält immer eine Wasserdampf-Menge, die allerdings sehr unterschiedlich sein kann.
Um zu beschreiben, wie feucht die Luft ist, wurde der Begriff der relativen Feuchtigkeit eingeführt. Die relative Feuchtigkeit sagt aus, zu wieviel Prozent die Luft mit Wasser gesättigt ist. Eine relative Feuchtigkeit von 50 % bedeutet, dass die Luft nur zu 50 % mit Wasser gesättigt ist und noch einmal die gleiche Menge Wasser aufnehmen kann.
Wasser verdunstet spontan. Warum es doch eine Weile dauert, bis beispielsweise ein Wasserrest aus einem Glas verdunstet ist, zeigt Bild 27.
Direkt über der Wasseroberfläche bildet sich eine wassergesättigte Luftschicht (100 % relat. Feuchte), sodass keine weitere Verdunstung stattfindet. Erst wenn hier die gesättigte Luft, z. B. durch Luftbewegung, gegen trockenere Luft ausgetauscht wird, verdunstet weiteres Wasser.
Dieser Luftaustausch findet in einem Wasserglas, mit seinem großen Durchmesser und geringer Länge, noch relativ rasch statt.
Bei Wandporen sind diese Verhältnisse jedoch extrem anders. Vergleichen wir die Verhältnisse einmal mit einem Gartenschlauch. Der Gartenschlauch hat einen Innen-Durchmesser von 12,5 mm.
Baustoffkapillaren liegen im Bereich von 5 Nanometern bis 50 Mikrometer. Ein großer Teil liegt im Nanometerbereich, das sind Millionstel Millimeter! Nehmen wir zum Vergleich mit dem Gartenschlauch eine Kapillare mit 12,5 Nanometer Durchmesser, dann ist diese Kapillare (Baustoffpore) bei einer Wandstärke von 36 cm so lang, wie ein Gartenschlauch mit 360 Metern. Oder anders gesagt, am Ende des Gartenschlauchs ist Wasser und 360 m des Schlauchs sind mit wassergesättigter Luft gefüllt. Die Verdunstung würde dann erst wieder stattfinden, wenn die 360 Meter wassergesättigte Luft ausgetauscht wären.
Glücklicherweise ist das nicht der Fall. Das Porenwasser wandert naturgesetzlich bedingt auf der Porenwandung zum Verdunstungsort, der je nach Baustoff an dessen Oberfläche oder bis zu 6 mm im Inneren des Baustoffs liegt.
Das ist immer noch eine lange Strecke, die verglichen mit dem Gartenschlauch bis zu 6 m betragen kann.
Uns hilft jedoch ein Naturgesetz, die Trocknungszeit zu verkürzen. Gemäß dem Bernoulli'schen Naturgesetz entsteht in strömender Luft ein Unterdruck. Bild 28 demonstriert diesen Effekt. An der Wand entlang strömende Luft saugt die wassergesättigte Luft aus den Poren und tauscht sie somit gegen trockenere Luft, in der sofort wieder Wasser verdunstet.
Bild 29 zeigt, wie wir das nutzen können, um die Trocknungszeit zu verkürzen. Ein Ventilator, der die Raumluft an der Wand entlang bläst, verkürzt die Trocknungszeit bis zu etwa einem Drittel.
Das verdunstete Wasser befindet sich dann in der Raumluft, die sich allmählich sättigt, wenn man sie nicht ständig austauscht.
Der Raum muss also gut gelüftet werden. Alles in diesem Kapitel Gesagte bezieht sich auf unverputztes Mauerwerk oder Wände mit offenporigem Putz. Die Art des Putzes ist wichtig. Lesen Sie bitte deshalb auch das übernächste Kapitel „Geeignete Putze ...".
Isofin erhöht die Wärmedämmung der Kellerwand
Die Wärmedämmung eines Hauses wird üblicherweise vom Mauerwerk, also dem Baustoff, erzeugt. Das zusätzliche Anbringen von Schaumstoff- oder Mineralfaser-Isolierungen hat lediglich den Zweck, die natürliche Wärmedämmung des Baukörpers zu verbessern.
Um den Vorgang der Wärmedämmung zu verstehen, muss man wissen, dass Luft oder Gase allgemein sehr schlechte Wärmeleiter sind und Flüssigkeiten (z. B. Wasser) sowie Feststoffe (z. B. Stein oder Metall) gute bis sehr gute Wärmeleiter sind.
Die für den Hausbau üblichen Baustoffe wie Ziegel-, Kalk-, Hohl- und Gasbetonsteine usw. sind poröse Baustoffe.
Unter der Lupe oder dem Mikroskop betrachtet sieht man, dass der Stein aus Steinmasse mit einer feinen schwammartigen Struktur besteht. Der Stein besteht also aus einem Feststoff mit Zell-Struktur und mit Luft gefüllten Hohlräumen. Der Wärmedämmwert eines Baustoffes ergibt sich aus dem Verhältnis zwischen Steinmasse (guter Wärmeleiter) und luftgefüllten Hohlräumen (schlechter Wärmeleiter). Je mehr luftgefüllte Poren im Stein sind und je weniger der gut wärmeleitenden Steinmasse vorhanden ist, desto besser ist der Wärmedämmwert.
Gießt man Wasser auf den porösen Stein, so sieht man, dass der Stein das Wasser begierig aufsaugt.
Unter dem Mikroskop sieht man, dass das Wasser in die Poren fließt und die Luft verdrängt.
Der Stein besteht nun aus einer gut wärmeleitenden Zellstruktur aus Steinmasse und der sehr gut wärmeleitenden Wasserfüllung.
Der gute Wärmedämmwert des trockenen Steins ist damit nahezu völlig verlorengegangen.
Dieses Beispiel zeigt, dass erstens nur poröse Baustoffe eine gute Wärmedämmung besitzen und zweitens diese Wärmedämmung nur dann vorhanden ist, wenn die Baustoffe trocken sind.
Isofin sorgt dafür, dass die behandelte Wand trocken wird. Auch im Bereich der Isofin-Sperre enthält der Baustoff wieder seine maximale Wärmedämmung zurück, denn Isofin erzeugt in den Poren keine wässrigen Gele, wie Wasserglas-Produkte, PU- oder Acrylat-Gele und hinterlässt auch keine sonstigen kapillarverengenden Rückstände mit guter Wärmeleit-Eigenschaft, wie Silikat-Produkte (Verkieselungen).